Eugen-Bolz-Gedenkfeier und Kranzniederlegung
Kranzniederlegung und Gedenkfeier zum 80. Todestag von Eugen Bolz
Eugen Bolz - der demokratische Politiker, der für seine christlichen Überzeugungen von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde...
Die Eugen-Bolz-Realschule gedachte in gleich zwei umfangreichen Veranstaltungen dem 80. Todestag ihres Namensgebers. Eugen Bolz war württembergischer Staatspräsident und einer der führenden demokratischen Politiker der Weimarer Republik. Er wurde von den Nationalsozialisten am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Um 11.00 Uhr legten Vertreter der Eugen-Bolz-Realschule einen Kranz am Denkmal im Schönen Graben nieder. Herr Realschulrektor Martin Burr gedachte in seinen Grußworten der besonderen Bedeutung Eugen Bolz‘ für das Land Württemberg und dankte allen, die sein Vermächtnis weiterführen. Das Eugen-Bolz-Raum-Team um Barbara Drasch klärte die Besucher über die historischen Verbindungen zwischen Eugen Bolz, der Stadt Ellwangen und der heutigen Schule auf. Schülerinnen und Schüler der Realschule erläuterten in ihren Beiträgen die Vorbildfunktion dieses Mannes und sein Wirken, das bis heute anhält. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung trotz Regens von der Lehrerband der EBR.
In der öffentlichen Abendveranstaltung in der Aula der EBR verglich Stadtarchivar Christoph Remmele Eugen Bolz mit jenen mutigen Menschen, die selbst die persönlichsten Opfer in Kauf nehmen - nur um dem Leben eine weitere Chance zu geben.
Ein von Schülern gestaltetes Video nahm die Besucher mit in die Zeit des Nationalsozialismus, als Eugen Bolz öffentlich gedemütigt, diffamiert und aller Ämter beraubt wurde. Typisch für Bolz war, dass er seinen Überzeugungen treu blieb und Kontakte zum Widerstand knüpfte. Musikalisch wurde die Sequenz live von der Lehrerband mit historischer Musik begleitet.
Unter der Leitung von Konrektor Florian Eiberger stellten Schülerinnen und Schüler die Verurteilung von Eugen Bolz szenisch dar. Beeindruckend war hier insbesondere, wie Bolz im Angesicht des Todes Haltung bewies und sich nicht den Nationalsozialisten beugte. Der vorgetragene Abschiedsbrief an seine Frau und Tochter ist heute noch ein beeindruckendes Zeugnis seiner unerschütterlichen christlichen Haltung, die immer dem Leben zugewandt war.
Zur Komposition „Plötzensee“ von Moritz von Woellwarth boten Sophie Gerstmayer und ihre Schüler in einem Schwarz-Weiß-Film eine gelungene künstlerische Perfomance dar. Synchron und passend zu den musikalischen Themen „Aufbruch - Gleichschaltung - Zerstörung - Hoffnung - Widerstand“ entstanden beeindruckende Aufnahmen, die abstrakt, aber zugleich inhaltlich enorm aussagekräftig die letzten Jahre Eugen Bolz‘ symbolisierten.
Als Hauptredner konnte die Eugen-Bolz-Realschule Herrn Dr. Thomas Schnabel engagieren. Dieser kuratierte und leitete über Jahrzehnte das Haus der Geschichte in Stuttgart. Herr Dr. Schnabel legte seinen Schwerpunkt auf Eugen Bolz‘ Rolle während der Weimarer Zeit. Schnell wurde den Besuchern klar, welche immense Rolle Bolz in dieser Zeit innehatte. Seine demokratische Haltung, Kompromisse sowohl nach rechts als auch nach links zu suchen, bewahrte das Land weitgehend vor den Krisen und Konflikten jener Zeit. Gleichzeitig schloss er grundlegend eine Zusammenarbeit mit den extremen Kommunisten und Nationalsozialisten aus. Von seiner für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Wirtschaftspolitik profitierte der Mittelstand als auch die Arbeitnehmerschaft. Höchstverschuldung als auch Massenarbeitslosigkeit blieben Württemberg im Gegensatz zu anderen deutschen Ländern dank Bolz erspart. Besonderen Wert legte Bolz darauf, dass das Gewaltmonopol ausschließlich beim Staat liegen muss. Eine funktionierende Verwaltung und eine auf Rechtsstaatlichkeit beruhende innere Ordnung schaffte ein Klima der Verlässlichkeit und Sicherheit. In Württemberg war unter Eugen Bolz die Zustimmung zum Nationalsozialismus deutschlandweit am geringsten.
Die Klassensprecherinnen und Klassensprecher der Realschule unter Leitung von Dunja Scholz boten dem Publikum eine heutige Begegnung mit Eugen Bolz dar. Ausgehend von einem Zitat zeigten sie, dass dessen Charakterstärken „Zuversicht - Motivation - Wirklichkeit durchschauen - tatkräftig handeln“ weit über sein Leben hinaus Vorbildcharakter haben. Musikalisch wurde auch dieser Beitrag von der Lehrerband umrahmt.
Für das Organisationsteam dankte Roland Reiter zum Abschluss allen Beteiligten. Er hob insbesondere die Arbeit des Eugen-Bolz Teams hervor. Dieses schuf vor einigen Jahren den imposanten Eugen-Bolz-Raum in der Realschule und betreut ihn ehrenamtlich bis heute.
Das Publikum dankte der Realschule mit großem Applaus für den kurzweiligen, vielschichtigen und inspirierenden Abend.




